
Hitlers Präsenz auf allen TV-Kanälen zeigt: Auch fast 60 Jahre nach seinem Selbstmord ist das »heiße Eisen« Hitler kein bisschen abgekühlt.
Die Debatte um den Film »Der Untergang« hat vor allem zwei wesentliche Fragen aufgeworfen: »Darf man Hitler als Mensch zeigen?« »Wozu soll das gut sein?«
Es ist fast Ironie: das münsteraner »Tischgespräche«-Projekt musste sich genau derselben Kritik aussetzen und fand darauf bereits dieselben Antworten, wie sie dann in den Interviews mit Hitlerdarsteller Bruno Ganz zu lesen waren:
Ja, man muss Hitler auf seine private Persönlichkeit reduzieren, um ihn von seinem (je nach Standpunkt negativen oder positiven) Kultstatus zu entzaubern!
In einem Leserbrief an die Münstersche Zeitung schrieb eine Besucherin: »Gerade dass Breiing als Hitler seinem Spiel keine erkennbare Tendenz gibt, macht die Sache zu einem spannenden Lehrstück über seine eigene Einnehmbarkeit.«
Bei den üblichen Dokumentationen fällt auf, dass sie Material verwenden, dass die Nazipropaganda selbst inszeniert hat: man sieht stets die gleichen Bilder Hitlers in seiner selbst geschaffenen Kulisse von Parteitagen, Paraden, Lichtdomen usw. Damit reproduzieren diese Beiträge bei aller guten Absicht immer wieder ungewollt die Faszination dieser Inszenierungen.
Die Tischgespräche heben sich davon als historische Quelle ab: hier schaltet Hitler von seinem anstrengenden Arbeitstag als »Führer« ab, entspannt sich beim »small talk« und philosophiert laut denkend vor sich hin.
Deshalb sagt dieses Zeugnis mehr über ihn als seine einstudierten Auftritte. Damit wollen wir Hitler als Kultfigur entzaubern.
